Labyrinth nach Chartres

Als Bestandteil der Ausstellung „Herzbaum und Honigschatten“ wurde im Mai 2004 eine Nachbildung des Labyrinthes von Chartres direkt neben dem achteckigen Pavillon im Bereich FEUER gebaut.

In der französischen Stadt Chartres, 95 km westlich von Paris gelegen, befindet sich eine der bedeutendsten gotischen Kathedralen, mit einem alten begehbaren Bodenlabyrinth mit ca. 12 m Durchmesser in ihrem Kirchenschiff.

Das Labyrinth im Stiftsgarten hat einen Durchmesser von 20 m. Es gleicht nicht nur äußerlich seinem Vorbild, sondern in seinen Fundamenten wurden auch besondere Steine aus Chartres eingebaut.

Mit dem Bau eines Labyrinthes möchten die GeomatInnen Ingeborg und Harmut Lüdeling eine alte christliche Tradition wieder beleben, die bis zur Neuzeit in vielen Klostergärten und auch Kirchen enthalten war.

Diese Anlagen waren keine Irrgärten, sondern gaben den Menschen symbolhafte Möglichkeit, meditativ und betend den verschlungenen Weg ihres Lebens aus dem Alltag heraus zu Gott gehen. Wer sich im Stiftsgarten darauf einlässt, dem gewundenen Pfad aus hellem Häcksel zu folgen, legt immerhin eine Strecke von 420 m zurück.

Insgesamt 28-mal ändert er seine Richtung, wird mal nah, mal fern vom Zentrum geführt. Diese Wendepunkte markieren, wie die 14 Kreuzwegstationen, die wichtigen Stationen unse-res Lebensweges. Die vielen Windungen stehen auch für das menschliche Gehirn, bei dem es heilsam ist, beide Hälften – Gefühl und Verstand – in Einklang zu bringen.

Außerhalb des Labyrinthes befinden sich vier Steine, genau nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, die auf die vier Elemente des Labyrinthes hinweisen. Diese Elemente gelten als Bausteine des irdischen Lebens. In der Mitte, die wie eine Blu-menblüte gestaltet ist, ist Raum für eine innere Einkehr, eine Meditation oder ein Gebet. Wer dort zur Ruhe kommt, wird eine tiefe Geborgenheit verspüren und fühlt sich anschließend befreit.

Kristallklar und erfrischt wird man das Labyrinth und alle Begrenzungen hinter sich lassen. So geht man auch nicht den verschlungenen Pfad wieder zurück, sondern über die Trittsteine nach Nordosten hin hinaus.